So, da bin ich wieder und es gibt einiges zu berichten. Mensch, war das ein Wochenende, mehr geht wirklich nicht. Am Freitag stellte ich bei TruemanTV im Stream 1 mein Buch vor. Ich las einige Passagen vor unter anderem auch aus meiner Kindheit. Mir kamen dabei die Tränen, denn der Freitag war der Todestag meiner ermordeten Schwester Gaby und die Erinnerungen kamen hoch. Die Herren der Technik, die den Stream an diesem Wochenende für Marcel übernommen hatten, zeigten wenig Feingefühl. Sie unterbrachen den Stream und zeigten statt dessen Baldriantropfen und fanden das wohl auch noch lustig. Um 24.00 Uhr, schmissen sie mich dann einfach raus. Die Einschaltquoten waren wohl zu hoch. Nee, is klar! Es ist schon traurig und voll daneben! Die Kommentare ließen nicht lange auf sich warten http://trueman.tv/blog/280_Euch_Allen_viel_Spa_.html, die Chatter waren entrüstet! Inzwischen hatte ich ein ausführliches Gespräch mit Marcel, der sich in aller Form für diese Person bei mir entschuldigt hat. Damit ist für mich die Sache erledigt, denn ich schätze Marcel inzwischen sehr und freue mich darüber ihn immer näher kennen zu lernen. Nee, is klar!? Ich habe einiges dazu gelernt und lasse mich von solchen Personen/Neidern nicht beirren, dafür ist das Leben zu schön und das Buch zu gut.
Am Samstag feierten wir bis spät in die Nacht den Geburtstag von Sabrina und Jessica. Es ging hoch her und hat sehr viel Spaß gemacht. Unsere Katzen bestrafen uns inzwischen schon mit Nichtachtung, da wir so gut wie keine Zeit für sie hatten.
Aber nun zum Highlight des Wochenendes, CSD in Köln. Das Motto:"Null Toleranz!“ ist sicherlich ein
ungewöhnliches und hartes Motto. Das Thema des diesjährigen CSD Köln / ColognePride wurde jedoch ganz bewusst provozierend und kämpferisch gewählt, weil wir das Gefühl haben, dass in einigen Teilen der Gesellschaft auch nicht gerade zimperlich mit unserer Minderheit umgegangen wird. Das Motto „Null Toleranz!", verbunden mit der offensiven Stopp-Hand in einem auffallenden Logo, drückt aus, dass wir nicht länger dulden wollen, dass unsere Rechte verletzt und unsere Würde von Teilen der Gesellschaft mit Füßen getreten werden, so lautet ein Auszug auf der offiziellen Seite von Cologne Pride 2008.
Auch 2008 säumten Hunderttausende die Straßen der Kölner Innenstadt, wir kämpften gemeinsam bei der CSD-Parade für die rechtliche Gleichstellung und die gesellschaftliche Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen. Auch die Prominenz war gut vertreten. Aber viele, viele Menschen sind aus der Provinz nach Kölle gekommen um an diesem Tag für ihre Rechte zu demonstrieren aber auch um zu feiern. Inmitten von Gleichgesinnten, sich so geben zu können, wie es für die Heteros völlig selbstverständlich ist. Sich zu umarmen, Händchen haltend über die Meile zu bummeln, sich zu küssen, einfach man selbst zu sein. Leider ist das in den meisten Gegenden nach wie vor nicht möglich ohne angefeindet zu werden.
Tine, Benjamin und ich fuhren bei den Freunden des KCR Dortmund http://www.kcr-dortmund.de, auf
Wagen 10 mit. Leute, es war unbeschreiblich. Ein Empfang, eine Stimmung, eine Gänsehaut jagte die Nächste. Man jubelte uns zu und es war herrlich, wie die Menschen am Wegesrand mit feierten. In mir wurden Erinnerungen wach, denn ich war früher mit meiner Schwester Silke schon mal auf einem CSD Wagen. Damals von der Zeitung BOX-Medien, für die ich 100 Kolumnen geschrieben habe unter dem Pseudonym „Frau Görke“. Der Name ist in Köln hängen geblieben und dementsprechend war der Empfang der Zuschauer. Echt mega geil. Wir verteilten und warfen fast 5500 Flyer vom Wagen und viele gingen in die Tasche und blieben nicht auf dem Boden liegen, wo man mir dann auf meinem Gesicht herum trampelte. *grins* Hoffe der Verlag bekommt viele Rückmeldungen und die Aids Hilfe damit viel Geld für ihre Arbeit. Nee, is klar!? Es hat uns sehr viel Spaß gemacht und die Zeit verflog wie im Nu.
Nach der Parade ging's dann ab zum Stand der Aids Hilfe Köln, wo ich meinen treuen Leser(innen) für eine Widmung des Buches zur Verfügung stand. Es waren einige da und ich konnte das Buch auch an andere Interessierte verkaufen. Wir unterhielten uns, machten Fotos und waren fast schon im Begriff weiter zu gehen, da gab es noch eine besondere Überraschung für mich. Benny, Tine und ich trugen alle T-Shirts mit meinem Buch Label, die ich habe drucken lassen. Und über dieses T-Shirt wurde jemand auf uns aufmerksam. Tine wurde von einem Mädel gefragt: Kannst du mir sagen, wo ich dieses Buch bekomme? Sie antwortete: Klar, da drüben, da steht doch der Uwe. Das Mädel, holte ihre Freundin und dann gab es ein herzliches Wiedersehen. Nach fast 15 Jahren traf ich so meine gute, alte Freundin aus Letmathe bei Iserlohn wieder. Kerstin, die nun mit ihrer Freundin in Düsseldorf lebt. Wir mußten beide unsere Tränen unterdrücken, es war so herzlich, als ob wir uns nie aus den Augen verloren hätten. Im Schlepptau hatten die beiden noch Freunde aus der guten alten YOCOTO Zeit. Mensch, war ich gerührt und dankbar, dass ich mit meinem HI-Virus "Tim" überlebt habe.
Ich verbinde den CSD oft im Inneren mit einer Gedenkminute für alle, die den schrecklichen Kampf
gegen HIV Aids verloren haben. Ich traf viel Freunde, die immer noch um ihre verstorbenen Partner(innen) trauern und die feste Umarmung sagte mehr als tausend Worte.
Natürlich kam auch der Fun mit meinen Freunden und meinem Lebenspartner Benjamin nicht zu kurz. Benny, der ja sonst lieber im Hintergrund bleibt, hat sich wacker geschlagen. Ich denke auch er hat es genossen, dass wir uns frei bewegen, küssen und umarmen konnten, wie das ja in der Provinz nicht möglich ist. Zumindest nicht ohne komische Blicke! Beim leckeren Kölsch und zeitweise sehr gewöhnungsbedürftiger WDR 4 Musik, feierten wir fröhlich und ausgelassen. Schön war auch, dass unsere Freunde Andreas und Christian mit von der Partie waren und so richtig lange ausgehalten haben. Nee, is klar!?
Die Politischen Botschaften auf der Hauptbühne wiederholten sich, denn jeder erzählte das Gleiche und nichts Neues. Statt endlich mal ein Machtwort in Deutschland zu sprechen, wurde wieder alles "schön“ geredet! Es reicht, schaut euch mal unsere kleinen Nachbarn an. Sie üben Toleranz und Akzeptanz aus, unterstützen jede Kultur und grenzen nicht aus. Da hinkt Deutschland doch arg hinterher. Das kann so nicht sein. Liebe Frau Bundeskanzlerin, das Leben könnte so einfach sein, wenn Sie mal statt Paragraphen und Gesetze zu wälzen, sich ein wenig mehr auf ihre Mitmenschen konzentrieren würden. Sich von einem schwulen Friseur die Haare machen zu lassen ist okay, wie wär's diese aber auch als Mensch zu akzeptieren? Wie viele CSD‘ s brauchen wir noch, damit die politische Botschaft endlich auch bei der CDU und CSU ankommt? Ich bekomme Wallungen, wenn ich diese Worte jedes Jahr höre, die bestimmt wichtig sind aber wie gesagt in der EU fast überall fruchten, nur in Deutschland nicht.
Im Wesentlichen sind sich da Volker Beck, Claudia Roth und Oliva Jones, die ich im VIP Bereich
getroffen habe, mit mir einig. Es muss mehr passieren und es muss endlich auch ankommen, dass es hier nicht um die Großstädte wie Köln, Hamburg oder Berlin geht, sondern bundesweit etwas getan werden muss, auch oder gerade in der Provinz, was von den Vorzeigepolitikern immer all zu gerne vergessen wird, da sich dort kein TV aufhält. Nee, is klar!?
Der CSD Köln ist und bleibt Vorreiter, wenn es gilt Botschaften publik zu machen. Nicht ein anderer CSD hat so einen Zulauf aus ganz Europa, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass es dieses Jahr weniger Menschen als in den vergangenen Jahren waren. Und das, obwohl Petrus uns wieder super Sommer Wetter beschert hat. Über die Musik lässt sich streiten aber ich denke "uns" Vicky Leandros hat den Nerv der Schwuppen getroffen und sie erobert. Ich war dann doch froh, dass es die Alternative mit Techno und House Musik auf der Rollenden Disco am Rande des CSD gab.
Pünktlich um 22.00 Uhr war Schluß mit dem CSD Wochenende. Zufrieden und glücklich über diesen schönen Tag fuhren wir gegen 23.00 Uhr nach Hause und ich bereite mich nun auf die Begegnung in Rostock vor. Bin gespannt, was mich dort erwartet, denn in Ostdeutschland bin ich noch nicht gewesen. Das Interesse an meiner Person ist da, deswegen komme ich dieser Einladung auch gerne nach. Euer Uwe
Zitat des Tages: „Ich spreche wenig, aber ich sage das Wichtige. Und ich sage es vor den anderen. Das macht den ganzen Unterschied aus.”
Link CSD Bilder:
http://www.uwegoerke.de/ug-032007/modules.php?op=galerie&files=gallery_sub&gal_id=70
http://www.csd-cologne.de http://www.DerWesten.de/CSD (C) www.uwegoerke.de