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Meine Gedanken zum Welt-Aids-Tag

von Uwe Görke 29.11.2007 16:49:00

Angst vor der Dunkelheit, Angst vor der Zukunft, Angst vor der Natürlichkeit, Angst vor der Unvernunft. Furcht, es kommen Krämpfe Furcht, ich fange an zu schwitzen Furcht, gewisse Dämpfe Furcht, die Augen blitzen. Die Angst bremst uns vor Übermut Oft ist's so, dass du sie verlangst. Angst tut uns manchmal richtig gut .Hab nur keine Angst vor der Angst (...).

Der November verabschiedet sich mit Grau in Grau und einer schlaflosen Nacht. "Tim" bescherte mir wieder einmal eine Panikattacke, die ich aber später abfangen konnte. Mir schien, als ab tausend "Tims" Besitz von meiner Seele nehmen wollten.  Ich wachte schweißgebadet auf und war starr vor Angst. Angst beherrschte meinen Körper und der reagierte sofort mit Nervosität und Durchfall. Es ist , als ob tausend Ameisen mich stechen. Es ist, als ob der Durchfall die letzten Energien aus dem Körper spült.
Am schlimmsten ist die Angst, es könnte jetzt los gehen. Bricht nun doch AIDS aus? Da bin ich doch so aufgeklärt und nehme die besten Pillen - es hilft nicht gegen die Angst. Damit muss ich alleine fertig werden. Ich muss es akzeptieren, denn auch das gehört zu mir und meinem Leben. Den Zuspruch meines Partners und die Wärme meiner Freunde sind im Moment eine riesige Stütze. Ich denke gerade an die, die einsam sind. Um wie viel stärker sie diese Gefühle empfinden, wenn keiner in ihrer Nähe ist.

Nun, ich sitze hier wie ausgelaugt und weine und bin doch voller Hoffnung, dass der Tag noch schön wird. Ich halte mir die warme Tasse Kaffee an die Wange und Moyo, die auf meinen Füssen liegt, wärmt von unten. Die Katzen schauen mich an, sie spüren an meinem Verhalten, wie ich mich fühle. Noch immer laufen die Tränen und ich muss erst mal eine Pause einlegen...

...denke, ich kann weiterschreiben. Nach einem heißen Bad und einen Gespräch mit Benjamin scheint der kalte Schmerz (die Angst) zu verschwinden. Ja "Tim" das war wohl nichts, Nee is klar!? Auch so kann es gehen im Leben eines Langzeitpositiven, das ist der Alltag, den viele nicht sehen. Ich würde auch gerne mal die Ängste verdrängen, Tranquilizer einschmeißen und ein leck-mich-am-Arsch-Gefühl  bekommen. Aber so bin ich nicht, nicht mehr. Ich bin gereift und erkenne die Symptome und stelle mich darauf ein.
Trotz alledem ist dies keine Garantie zum Überleben. Die Bombe tickt und "Tim" lauert in irgend einer Ecke meines Körpers. Heute bin ich Sieger. Natürlich vergesse ich nie, woher ich meinen HI-Virus habe, aber die Schuldfrage stelle ich schon lange nicht mehr. Am WAT = Weltaidstag 01.12.07 denke ich besonders an meinen Ex Frank, er verlor den Kampf gegen AIDS schon in den frühen 90igern. Und an all die, die qualvoll an AIDS verstorben sind. Für viele war der Tod nach einem langen Leidensweg eine Erlösung. Erlöst vom Schmerz und von Ausgrenzung und Schikane durch unsere Gesellschaft. Das bedeutet für mich der WAT. Aber auch erinnern und ermahnen. Nehmt Kondome!!! Schütz dich, lieber Leser und liebe Leserin, damit du dir nie den Scheiß Virus einfängst!!! Vergesse nie das Kondom und genau so nie die Toleranz denen gegenüber, die es leider erwischt hat. Schau dich um, lächele und sage deinem gegenüber was Nettes, es tut so gut.

Wer spenden will, sollte sich die großen Galas im TV ansehen und entscheiden, wem man was zu kommen lässt. Aber man kann auch mal einen anderen Weg gehen, und schon mit einer kleinen Spende einiges bewegen. Sicher gibt es in deinem Umfeld sozialschwache Familien mit Kindern, die eine vorweihnachtliche Zuwendung gut gebrauchen könnten. Oder auch (immer wieder gern von mir erwähnt) eine kleine Gabe an die AIDS-Ambulanz in Dortmund. Dort war gestern Tag der offenen Tür und es fehlt an Farbe und Blumen für eine freundliche Atmosphäre. Eine Kaffeemaschine und ein Radio würde den Patienten die lange Wartezeit erträglicher und weiches Toilettenpapier den Aufenthalt etwas angenehmer gestalten.

Das alles würde nicht mehr als ca. 500 € kosten. Letzteres gilt auch als Appell an zwei große Institutionen, All Round AIDS  und AIDS Hilfe Dortmund. Seit 10 Jahren hat sich nichts geändert. Der WAT darf nicht zum Prestige-Objekt einzelner Politiker oder Stars werden, die ein mal im Jahr das Red Ribbon tragen und Aufsehen erregen. AIDS ist das ganze Jahr und wegschauen geht nicht. Ich wünsche euch einen WAT zum Nachdenken und einem armen Schlucker den Jackpot im Lotto. Euch allen einen besinnlichen 1. Advent und danke allen Menschen in der Welt für ihren Einsatz im Kampf gegen AIDS. Verschwinde mit einem Zitat: „Ich spreche/schreibe so schnell, weil Positive wie Aidserkrankte 20 Jahre nicht viel zu sagen hatten und das jetzt nachholen müssen” Nee, is klar!? euer Uwe . Und nach Köln noch: Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, daß man sie ignoriert. 

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