Meine Geschichte mit HIV, alles fing damit an Uwe, dass ich ein zweites Kind haben wollte. Ich war ganz frisch verheiratet ( 2 Monate) und alles war, soweit ok. Also, warum nicht noch ein zweites Kind? Irgendwie bin ich aber nicht schwanger geworden, trotz großer Bemühungen. Und mein Termin zur Vorsorge beim Frauenarzt war auch wieder fällig. Also dachte ich mir, dann soll der Frauenarzt mich gleich mal gründlich untersuchen und auch gleich alle möglichen Tests machen. Aus welchen Grund auch immer, habe ich auf den HIV Test gedrängt. Eigentlich wollte ich auch nur ganz sicher sein, dass ich mir nicht den Virus eingefangen hab. Ich hatte auch jetzt nicht den Männerverschleiß, wie man jetzt denken könnte. Ich glaube es waren 5 Männer die ich bis dato hatte. Da ich aber nie harte Drogen genommen und auch kein Fremdblut bekommen hab, kann es ja nur beim Sex passiert sein. Als ich beim Frauenarzt anrief um mir die Ergebnisse sagen zu lassen, hieß es, dass der HIV Test noch mal gemacht werden muss. Da war mir schon klar, dass da ein "Positiv" bei herum kommen wird. Und so war es dann auch. Manch einer wird jetzt denken, warum hat sie den Test überhaupt gemacht? Vielleicht sollte man besser keinen Test machen um es gar nicht zu erfahren.... Ich denke da anders und bin sehr froh, dass ich ausser der Reihe auf den Test bestanden hab und jetzt andere schützen kann! Nachdem ich das Ergebnis beim Frauenarzt erfahren hab, gingen nur noch 2 Gedanken durch meinen Kopf. Warum ich! Und die nächste Straßenbahn ist mir. Mein Mann war mit als ich das Ergebnis bekommen hab. Er hat mich davon abgehalten, dass ich mich vor die Bahn werfe. Ich habe aber kurze (sehr kurze) Zeit später gesagt, dass ich es für besser halte, die Ehe annullieren zu lassen. Da sich mein Mann ja Kinder und ein Leben mit mir erträumt hat und das war, aus meiner Sicht der Dinge, nicht mehr drin. Wie dem auch sei, eine Annullierung der Ehe, war nicht mehr möglich. Es hat mich jedenfalls so belastet, dass ich dann doch Monate später die Scheidung von mir aus eingereicht hab. Das müsste so ca. 1992 gewesen sein. Dann hab ich mich auf das, für mich damals, Unvermeidliche vorbereitet. Hab meine Tochter gut untergebracht, weil es mir auch von den Blutwerten sehr schlecht ging. Ich hatte auch nur noch 44 Kilo.Ich wollte auf keinen Fall, dass mein Kind in ein Kinderheim muss. Dachte mir, lieber gebe ich sie was früher in gute Hände, als das ich sie bis auf den letzten Drücker bei mir behalte und sie dann in ein Heim muss! Nein, dass kam für mich nicht in Frage. Ich habe damals noch in einer Kneipe gearbeitet. Und ohne das ich was gesagt hab, hat es mehrmals die Runde durchs Viertel gemacht und es kamen die tollsten Reaktionen dabei rum.Von noch relativ harmlosen Reaktionen wie, dass sich die Gäste gleich wieder umgedreht haben, wenn die gesehen haben, dass ich am arbeiten bin, bis hin zu weitaus schlimmeren Diskriminierungen. Es hat mehrfach Ärzte gegeben, die mir ganz klar gesagt haben, dass sie mich nicht mehr behandeln wollen. Es war sogar eine Ärztin dabei, die hat ihre Schweigepflicht gebrochen und vor versammelter Mannschaft gesagt, sie wüsste nicht was sie auf die Überweisung zum Krankenhaus schreiben soll, sie schreibt jetzt HIV - Positiv. Zu dem Zeitpunkt standen noch 5 wartende Patienten hinter mir, dass hat sich dann blitzartig geändert, nachdem die Ärztin den Spruch gebracht hatte. Patienten haben die Praxis verlassen. Ich glaube ich muss hier nicht erwähnen wie ich mich da gefühlt hab. Aber damals hatte ich auch nicht den Mumm sie bei der Bundesärztekammer anzuzeigen, heute darf das keiner mehr mit mir machen! Aber es gab auch die andere Seite, Menschen die hinter mir gestanden haben und es zum Teil noch immer tun!!!! Leute schön das es euch gibt!!!! Heute, ja heute hab ich keine Arbeit mehr, aber ich komme zurecht. Heute suche ich mir meine Freunde sehr gut aus! Heute gehe ich mit dem ganzen Thema, ganz anders um als 1991. Nachdem ich dem Tod schon einmal sehr nah war, bin ich sehr spirituell geworden..... und denke heute, dass ich, solange hier auf der Erde sein werde, bis von da oben entschieden wird, dass ich wieder nach Hause darf. Ich meine in diesem Fall, das Zuhause, was schon keine Häuser mehr kennt. Ich genieße die Zeit hier in vollen Zügen, und komme mit mir und der Welt wieder klar! Jeder Mensch begegnet einmal dem Menschen seines Lebens, aber nur wenige erkennen ihn rechtzeitig... danke das es Dich gibt Uwe. In diesem Sinne, verbleibe ich mit einem ganz lieben Gruß an alle Leser(innen) der Uwe Görke Homepage *Grins* die Seite im Netz, die zur Tages Pflicht Lektüre geworden ist, besonders das Tagebuch Sylvia B. (C) Uwe Görke www.uwegoerke.de Rubrik HIV/AIDS/NEWS/AKTUELL